Warum Einkochgläser explodieren können
Einkochen gilt als sichere und bewährte Methode, um Obst, Gemüse, Suppen oder Marmeladen haltbar zu machen. Aber Einkochen kann auch ziemlich explosiv sein. Das passiert zwar nicht häufig, dennoch berichten Einkochfans immer mal wieder von geplatzten oder sogar explodierten Einkochgläsern.
Warum es beim Einkochen dazu kommen kann, wie Ihr richtig reagiert und wie Ihr diesen Einkochunfall verhindern könnt, erkläre ich Euch hier.
Können Einkochgläser wirklich explodieren?
Hochwertige Einkochgläser sind für hohe Temperaturen ausgelegt und gelten als nahezu unverwüstlich. Dennoch können sie unter bestimmten Umständen beim Einkochen im Wasserbad plötzlich platzen oder regelrecht zerspringen. Der Grund: Bei längeren Einkochzeiten kann das Wasser im Topf verdampfen und der Einkochtopf oder Einkochautomat kocht trocken.
Daher ist es wichtig, bei einer längeren Einkochzeit von 2 Stunden alle 30 Minuten den Wasserstand im Einkochtopf zu überprüfen und gegebenenfalls die Füllhöhe mit heißem Wasser aufzufüllen.
Doch wenn man das vergessen hat und das Wasser verdunstet ist, wird es kritisch. Gießt Ihr dann Wasser auf den überhitzten Topfboden, egal ob heiß oder kalt, gibt es eine Riesenfontäne, die Einkochgläser explodieren, Glassplitter und Einkochgut verteilen sich in der ganzen Küche. Das Einzige, was man dann machen kann, ist, in Deckung zu gehen.
Die häufigste Ursache: Ein trockengekochter Einkochtopf
Beim Einkochen dient das Wasser im Topf oder Einkochautomaten dazu, die Hitze gleichmäßig zu verteilen. Sinkt der Wasserstand im Einkochtopf jedoch zu stark oder verdunstet das Wasser vollständig, steigt die Temperatur im Topf erheblich an - weit über 100 °C. Das Glas hält die hohe Temperatur aus, wenn sie graduell steigt. Was das Ganze explosiv macht, ist der Thermoschock, der die Gläser einer extremen Belastung aussetzt.
Das Risiko besteht besonders:
- bei langen Einkochzeiten
- wenn der Wasserstand vor dem Einkochen nicht ausreichend kontrolliert wurde
- wenn während des Einkochvorgangs kein Blick auf die Wasserfüllung geworfen wird
Warum können Einkochgläser platzen?
Glas reagiert empfindlich auf starke Temperaturschwankungen. Wird ein Einkochglas ungleichmäßig erhitzt oder extremen Temperaturen ausgesetzt, entstehen Spannungen im Material. Hinzu kommt der starke Wasserdampfdruck im Glas. Das Glas hält einen Temperatursprung von 30 bis 40 Prozent aus. Füllen wir heißes Wasser mit 90 °C auf, und die Gläser haben bereits eine Temperatur von 150 °C, wäre das nicht so schlimm, wenn der Dampfdruck nicht wäre, der das Einkochglas platzen lässt.
Vorsicht: Neben dem Verlust der eingekochten Lebensmittel, die sich mit Glassplittern im ganzen Raum verteilen, besteht dabei auch Verletzungsgefahr.
Wie vermeidet man Einkochunfälle?
Damit es gar nicht erst zu einem Einkochunfall kommt, solltet Ihr diese 4 Sicherheitsregeln beachten:
- Temperaturregelung: Wenn Ihr im Kochtopf einkocht, sollte das Wasser sieden, nicht kochen, d. h. die Oberfläche sollte sich nur leicht bewegen. Wenn es anfängt, sprudelnd zu kochen, gibt es mehr Dampf. Der entweicht und der Wasserstand sinkt, bis kein Wasser mehr im Topf ist.
- Deckel: Wenn Ihr im Topf einkocht, solltet Ihr ihn immer mit einem passenden Deckel verschließen.
- Unterlage: Stellt die Gläser nie direkt auf den Topfboden, sondern auf ein Baumwolltuch oder eine Einlage aus Metall oder Kunststoff, die Ihr vorher in den Topf legt.
- Wecker stellen: Damit Ihr nicht vergesst, den Wasserstand im Topf zu prüfen, stellt Euch eine Uhr auf eine halbe Stunde ein. Immer wenn es nach 30 Minuten klingelt, schaut ihr nach.
Was tun, wenn das Wasser im Einkochtopf verdampft ist?
Wenn Ihr bemerkt, dass ein Einkochtopf trocken gelaufen ist und es in der Küche komisch riecht, solltet Ihr vor allem Ruhe bewahren.
Wichtige Punkte sind:
- Kein Wasser in den trocken gekochten Einkochtopf gießen.
- Den Topf so, wie er ist, lassen und vom Herd auf eine heiße Platte schieben, damit sich der Topfboden und auch die Gläser langsam abkühlen können.
- Gläser erst anfassen, wenn sie ausreichend abgekühlt sind. Vielleicht sind sogar noch einige zu retten. Defekte Gläser samt Inhalt entsorgen.
Wenn Ihr diese Tipps beherzigt, lassen sich die meisten Einkochunfälle verhindern und Eure selbstgemachten Vorräte gelingen zuverlässig.
Hier findet Ihr weitere Informationen zum Einkochen im Kochtopf und Einkochen im Schnellkochtopf.
Fragen und Antworten
Zuschauer: Mir ist das auch schon passiert. Plötzlich ein dumpfer Laut und das Glas war geplatzt. Mich hat es vom Druck hochgedrückt und um 180° gedreht!!!! Das ging so schnell, dass ich auf allen Vieren übersät mit Gurken und Scherben erstaunt dastand. Ich hatte Verbrennungen und kleinste Wunden von den Scherben. Das war heftig. Und natürlich noch die Sauerei in der Küche ... Seltsamerweise platzte nur ein Glas. Die anderen 3 Gläser blieben unbeschadet. Ich habe mir danach einen Einmachtopf gekauft ... Seitdem mache ich nur noch damit ein.
Steffi: Ja, das ist eine gute Maßnahme. Ich hoffe, es ist alles gut geheilt und hat keine Narben hinterlassen (außer vielleicht geistige).
Den Schrecken kann man sich (Frau & Mann) ersparen durch ein einfaches Grillthermometer mit einstellbarer Alarmfunktion und hitzefestem Kabel plus Fühler. Ich selber koche meistens auf einer externen Heizplatte mit einem Shelly Modul plus Thermosensor ein, bei Überhitzung gibt es einen Alarm, wird dieser ignoriert, schaltet die Elektronik bei eingestellter Schwelle die Herdplatte aus. Das funktioniert sowohl mit normalem Einkochvorgang im Topf als auch mit meinem modifizierten Druckkochtopf.
Das hört sich nach einer sehr pfiffigen Lösung an! Klasse!
Ich finde, das ist ein weiteres Argument für das Einkochen im Schnellkochtopf!
Ja, allerdings muss man auch da darauf achten, langsam abzukühlen und den Deckel nicht so schnell zu öffnen. Das Platzen der Gläser im Schnellkochtopf ist nicht so explosiv, aber auch nicht minder ärgerlich.
Wie geht es nach dem Abkühlen der Gläser denn weiter? Kann bzw. muss man dann praktisch von vorn anfangen, d. h. wieder Wasser auffüllen und welche Kochdauer? Die Gläser waren ja vorher schon eine Zeit lang im Einkochprozess.
Wenn die Gläser noch einigermaßen warm sind, kann man einfach neu erhitzen und die Einkochzeit weiterführen. Dabei würde ich immer noch eine Sicherheitszeit mit einkalkulieren, die angemessen ist. Letzteres je nach eigener Einschätzung. Wenn man sich komplett unsicher ist, kann man sicherlich noch einmal von vorne anfangen.