Glasgrößen - Warum unterschiedliche Volumenangaben?
Die Angaben von Glasgrößen sind manchmal ziemlich verwirrend. Früher hieß es WECK-Sturzglas 500 ml, dann wurde es in Sturzglas 580 ml umbenannt, obwohl sich am Glas nichts verändert hat. Und warum haben Gläser so krumme Zahlengrößen wie 167 ml, 212 ml oder 314 ml?
Ich erkläre Euch hier, warum das so ist, und versuche, etwas Klarheit ins Chaos der Glasgrößen zu schaffen.
Was sind Nennvolumen und Randvollvolumen bei Gläsern?
Es gibt bei Gläsern nicht nur ein Füllvolumen, sondern zwei: das Nennvolumen und das Randvollvolumen. Das Nennvolumen gibt an, bis wohin man das Glas einfüllt. Das Randvollvolumen bezeichnet das Volumen bis zum oberen Rand der Glaskante. Das Nennvolumen endet ein paar Zentimeter unter dem Glasrand. Das ist wichtig, denn wir brauchen beim Einkochen immer einen kleinen Luftraum, damit im Glas ein Vakuum entstehen kann. Beim Sturzglas 167 ml bezeichnet die Milliliterangabe das Randvolumen - erkennbar an der krummen Zahl. Der Grund: Twist-Off-Gläser wurden vor allem für die Industrie und maschinelle Abfüllung produziert. Durch die Angabe des Randvolumens wissen Industrie und Händler, um welches Glas es sich handelt.
Einmachgläser, die zum Hausgebrauch verwendet werden, wie das WECK-Glas, das Quattro-Stagioni- oder Mason-Glas, werden immer mit dem Nennvolumen bezeichnet. Ich habe mich bei meinen selbst entwickelten Gläsern wie dem S-Glas 500 ml für das Nennvolumen entschieden, weil die Angabe immer eine glatte Zahl ist und zeigt, was sie soll. Beim Einkochen will man schließlich wissen, wie viel man ins Glas füllt. Andererseits ist die übliche Bezeichnung für die Industriekunden nun mal das Randvollvolumen. Für uns Händler sind diese unterschiedlichen Angaben ein Dilemma, denn unsere Gläser sind sowohl für Großhändler wie für Einzelhändler bestimmt, auch Twist-Off-Gläser. Die Lösung für Euch ist ganz einfach: Hat die Bezeichnung des Glases eine krumme Zahl, wisst Ihr, dass es sich dabei um das Randvolumen handelt.
Hinweis 1: In der Glasindustrie rechnet man immer mit einer Toleranz von 5 %, weil sich die Werkzeuge und damit die Wandung des Glases während der Produktion verändern können. Daher kann es sein, dass die Angabe beim Messen Eures Glases leicht variieren kann.
Hinweis 2: Milliliter ist nicht dasselbe wie Gramm. Der Grund sind unterschiedliche physikalische Eigenschaften. So entsprechen 500 g Wasser 500 ml und passen super in ein 500 ml-Glas, bei 500 g Mehl braucht man aber ein 1200 ml-Glas.
Warum das WECK-Sturzglas 500 ml plötzlich 580 ml hieß
Jahrzehntelang hieß es WECK-Sturzglas 500 ml, dann wurde der Name vor einigen Jahren in WECK-Sturzglas 580 ml geändert. Der Grund für den Wechsel in der Bezeichnung lag daran, dass die WECK-Gläser auch industriell und von gewerblichen Kunden eingesetzt wurden. Füllt man 500 l Wasser in das 500 ml-Glas, ist es nicht ganz randvoll. Es bleibt ein wenig Luftraum, der allerdings zu gering ist, um ein Vakuum zu bilden. Füllt man das Glas bis zum Rand mit Wasser, gehen 580 ml hinein. Also entschied sich WECK für die Namensänderung und wechselte von der Angabe des Nennvolumens auf die des Randvollvolumens von 580 ml.
Als vor einigen Jahren die Führung bei WECK gewechselt hat, ging man mit der Bezeichnung wieder zurück aufs Nennvolumen. Denn schließlich ist das WECK-Glas für Endverbraucher gedacht und hat daher wieder den bewährten Namen Sturzglas 500 ml bekommen (auch wenn es technisch korrekt 480 ml heißen müsste). Anders beim WECK-Tulpenglas 580 ml. Hier wurde die Bezeichnung des Nennvolumens gewählt und heißt jetzt WECK-Tulpenglas 480 ml.
Fragen und Antworten
Zuschauer: Schön wäre, wenn einfach immer beide Werte in der Artikelbeschreibung angegeben werden könnten. Wie ein Glas benannt wird, ist ja eigentlich fast nebensächlich, wenn man dennoch die jeweils gewünschten Werte wissen könnte und man vielleicht sogar nach den jeweiligen Werten bei der Suche filtern könnte.
Steffi: Ja, das finde ich auch. Wir wollen es bei uns im Shop jetzt auch tatsächlich einführen. Nur kann man das leider im Titel nicht machen, denn ansonsten finden wieder einige ‘ihre’ Gläser nicht … Aber wir wollen es in die Beschreibung angeben.
Danke für die Klärung. Man könnte doch auch einfach jeweils beide Angaben nennen? Wie auch immer, ich weiß nicht auswendig, wie viel meine diversen TO-Gläser fassen und mache einfach immer ein bisschen zu viel, damit es dann in der Hektik des Abfüllens auch sicher reicht.
Ja, das haben wir uns auch schon überlegt. Im gewerblichen Bereich verwischt das nur dann leider die tatsächliche Bezeichnung und führt wieder dazu, dass das Glas nicht gekauft wird. Aber wir vermerken beide Werte in der Beschreibung.
Bislang habe ich Marmelade immer randvoll abgefüllt. Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, soll ein gewisser Luftraum bleiben, damit das Vakuum überhaupt entstehen kann. Eigentlich logisch, aber durch diesen Beitrag ist es mir erstmal richtig bewusst geworden.
Ja, das ist richtig. Marmelade hat ein klein bisschen eine Sonderstellung, denn wenn sie erkaltet, zieht sie sich ziemlich doll zusammen. Meistens entsteht dadurch genügend Luftraum, um einen Unterdruck zu bilden - selbst wenn man fast bis zum Rand eingefüllt. Allerdings in dem Moment, wo es nicht mehr zu reichen scheint, um den Deckel nach innen zu ziehen, da sollte man tatsächlich auch bei Marmelade weniger einfüllen. Das passiert dann besonders leichter bei kleineren Gläsern.
Ich glaube, dass ich bei den Gläsern umsteige. WECK wird mir da zu teuer. Was kannst Du mir da empfehlen. Brauche die Gläser zum Einwecken.
Ich benutze tatsächlich meistens Twist-Off-Gläser. Auch mein S-Glas ist bei mir ständig im Gebrauch. Da es hier eine riesige Auswahl gibt, würde ich Dir empfehlen, Dich auf ein oder zwei Mündungen zu konzentrieren, denn so kannst Du die Gläser besser stapeln und hast weniger durcheinander. Ich konzentriere mich auf TO 66 und TO 82. Und ich nehme immer simple runde Gläser, häufig in Sturzform.